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Fortbildung zum Ökowirt, Bad Bergzabern, 1987/88 - Schriftliche Abschluss-Arbeit (Rechtschreibung und Fehler korrigiert)


Überlegungen zur Optimierung der Bodenfruchtbarkeit in nach biologisch - ökologischen Methoden arbeitenden Betrieben




V. Wirtschaftsdünger (Fortsetzung)



Mist- und Kompostbereitung

Hinsichtlich Pflanzenverträglichkeit, Umsetzungsgeschwindigkeit und auch der durch Auswaschung betroffenen Verfügbarkeit von Nährstoffen kann ich verschiedene Arten von Mist- und Kompostbereitung nur kurz anführen, ohne dabei in Einzelheiten gehen zu können.

Je nach Intensität der Rottevorgänge geht durch die Tätigkeit der Mikroorganismen organische Substanz verloren. Kaltmist verliert nur 10 - 15 % der organischen Substanz unter anaerober Gärung, Warmmist 30 - 40 % bei fester Stapelung und Temperaturen bis 40 C, Heiss- oder Edelmist 40 - 50 % bei lockerer Stapelung und Temperaturen bis 60 C.

Nährstoffverfügbarkeit und Umsetzungsgeschwindigkeit sind bei jungem Mistkompost (Nährhumus) groß, bei reifem Mistkompost (Dauerhumus) gering. Frischmist zeichnet sich durch schnelle Umsetzung, starke Stimulierung des Bodenlebens und eine kurzzeitige Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit über 2 - 8 Mon. aus. Die Nährstoffe sind zwar nicht sofort verfügbar, werden aber auch kaum gespeichert, auch die Wasserhaltekapazität wird nur mäßig verbessert. Dagegen wirkt Mistkompost als Dauerhumus mit hohem Wirkstoff-Gehalt eher langfristig positiv auf die Bodenfruchtbarkeit. Porenvolumen, Bodenwärme und Wasserhaltevermögen werden durch Mistkompost positiv verändert. Das Bodenleben dagegen bleibt unbeeinflusst.

Pferde-, Schaf-, Ziegenmist unterliegen schnellem Abbau, der durch die Zugabe von 30 - 40 % feuchter Erde gemindert wird. Rinder- und Schweinemist sind demgegenüber "kalt" und werden durch eine Strohzugabe zur Luftzufuhr leichter umgesetzt. Geflügelmist sollte man wegen seinem hohen N- und Mineralstoffgehalt mit N-armem Laub, Stroh usw. mischen.




Aufbereitungsmethoden

Durch bessere mechanische Durchsetzung und die Aufnahme des Harnes finden sich im Tieflaufstall höhere N-Gehalte (0,8 %) und eine beschleunigte Rotte. Rottevorgänge sind an das Vorkommen mesophiler (bis 45 C) und thermophiler (bis 65 C) Mikroorganismen geknüpft, die nach dem Abbau der leicht zersetzlichen Substanzen absterben. Daran schließt dann die bis einjährige Reifephase an und der Aufbau von Dauerhumus insbesondere durch Mistwürmer.

'Gebremster Mist' soll durch die Erzeugung von Hygienisierungswärme bei lockerer Schüttung innerhalb von 3 (im Sommer), 4 (Frühling und Herbst) und 5 - 6 Tagen (im Winter) Krankheitskeime und pflanzenschädliche Stoffe ausschließen. Durch weitere Schichtung erfolgt dann Abkühlung und Beendigung weiteren Nährhumus-Abbaus in einer gebremst aeroben Phase (Verdunstung eindämmen und Feuchtigkeit angleichen). Die Ausbringung von 75 - 150 dt/ha erfolgt schleierdünn unter flachem Einarbeiten (10 - 15 cm) in wärmeren Klimabereichen und auf leichten Böden im Frühjahr, in kühlem Klima im Oktober.

Frischmist schließlich vollzieht diese hygienisierenden Rotteprozesse bei schleierdünner Ausbringung über die Flächenkompostierung innerhalb von 2 - 3 Wochen (100 - 200 dt/ha). Der Gefahr von Fäulnis lässt sich durch nur sehr oberflächliches Einarbeiten, bzw. durch Lagerung in Walmen nicht höher als 50 - 80 cm begegnen.

Durch eine Mistbereitung mit Strohhäcksel als Einstreu wird möglichst viel Harn aufgesaugt und eine möglichst flache Einarbeitung ermöglicht.

Mistkompostierung ist ein technisches und organisatorisches Problem. Zur optimalen Durchlüftung sollte auch zur Anlage von Mieten ein Miststreuer verwendet werden. Mieten dienen der luftigen Lagerung und Ausreife eher erdiger Substrate für Komposterden und Bodenverbesserung. N-reiche organische Abfälle werden in Stapeln kompostiert, um Humusdünger für Starkzehrer zu erhalten. Zu weiterer Vererdung für Mistbeeterden usw. können Flachstapel angelegt werden.

Abwasserschlamm, Fäkalien in Trockenstreu, Stallmist, Laub und holzige Abfälle werden u.a. aus hygienischen Gründen im Heissgärverfahren (bis 70 C) kompostiert. Hierhin gehören auch Biogasanlagen, welche insbesondere in wärmeren Klimazonen rentabel Energie erzeugen und dazu einen keimfreien geruchlosen Faulschlamm, der höchste Düngereigenschaften besitzt.


C/N - Verhältnis

Der Abbau organischer Abfälle ist gehemmt bei fehlendem N für den Mikroben-Stoffwechsel. Das durchschnittliche Mengenverhältnis C : N in der Pflanzensubstanz beträgt etwa 10 : 1. Bei Verhältnissen > 25 : 1 erfolgt die Hemmung der Abbauvorgänge. Es sollten also N-arme mit N-reichen Stoffen gemischt werden für eine optimale Rotte (bei einem C/N - Verhältnis 15-20 : 1): Gülle (5-8 : 1), Grünmasse (7 : 1), Humus (10 : 1), Gras (12 : 1), Tierkot (15 : 1), Hülsenfruchtstroh (15 : 1), Küchenabfälle (23 : 1), Baumlaub (50 : 1), Getreidestroh (100 : 1), Sägemehl (511 : 1).


Düngung durch Pflanzen



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