Pflanzliche Grundlagen der Subsistenz im steinzeitlichen Westeuropa - Teil 2


Haseln

Haseln im Vinxtbachtal, Juli 2018. © STH.


Nüsse

Die Haselnuss als Sendbote angenehmer Temperaturen [ Rheinlandflora 2010 ] stand besonders den mesolithischen Jägern und Sammlern in großen Mengen zur Verfügung. Denn im Boreal (8000 - 6000 v.Chr.) entstanden offene Eichen-Hasel-Mischwälder; Nüsse wurden zu einem wichtigen Nahrungsbestandteil. Die Schalen der Haselnuss sind "in mesolithischen Feuerstellen" häufig nachweisbar [Knörzer et al. 1999, Teil 2].

Der Haselstrauch dürfte sogar die eigentliche "Kultur"pflanze des europäischen Mesolithikums gewesen sein. Ein Fundort aus dem Präboreal suggeriert, dass wenigstens die Verarbeitung der Nüsse in geradezu industriellem Maßstab betrieben wurde: das Duvenseer Moor im äußersten Südosten Schleswig-Holsteins [Wikipedia 2022].
Hier wurden spezielle Feuerstellen betrieben, um größere Mengen Sand zu erhitzen, in dem die Haselnüsse geröstet und damit haltbar gemacht wurden.


Es ist nicht auszuschließen, dass auch die Eicheln der deutschen Eichen-Arten einst vom Menschen verzehrt wurden. Ihnen könnten in fließendem Wasser die Gerbstoffe entzogen worden sein, wie es von Indianern mit anderen Eichen gemacht wurde.
Die Eichen-Arten des Nahen Ostens wurden in Notzeiten durch Zerkleinern und anschließendes Wässern oder Rösten verzehrfähig gemacht [Zohary/ Hopf 1988].


Man hat auch davon gehört, dass sich Bucheckern verzehren lassen. Aber die Buche breitete sich in Mitteleuropa erst stärker aus, als die Landwirtschaft schon lange den Ton angab.
Auch wird vor dem Verzehr dieser Ressource gewarnt. Beim Menschen kommt es beim Verzehr von wenigen Dutzend Samen zu Vergiftungserscheinungen [Düll/ Kutzelnigg 1988]. So lecker sie aussehen, auch als Viehfutter bekommen sie nur den Schweinen, während sie schon ausgewachsenen Pferden und Rindern ziemlich schlecht bekommen.
Trotzdem wurde aus den Samen verschiedener Buchen-Arten in Notzeiten immer wieder Öl zu Speisezwecken gepresst [Zohary/ Hopf 1988].


Esskastanie und Walnuss haben sich nicht auf natürlichem Wege nördlich der Alpen angesiedelt, sondern erst als römische Kulturpflanzen.



Laub von Bäumen

Das Laub von Bäumen gilt heute im Allgemeinen als ungenießbar.

Doch die Tschuktschen trockneten Blätter von Weiden-Arten (Salix), um sie im Winter zu verzehren [Varagnac 1960].


Nach Dioskurides sollen in Griechenland Ulmenblätter in gekochtem Zustand als Gemüse gegessen worden sein.
Nach Dioskurides dienten Blätter und Rinde der Ulme auch zum Waschen von Wunden und zur Behandlung von Hautkrankheiten.

Auch die wie Sauerkraut vergären gelassenen jungen Blätter des Feldahorn (Acer campestre) sollen in der Küche verwendet worden sein.

"Frische Rosenblätter dienten vor allem im Mittelalter als Gewürz für Fleisch und Süßspeisen."
[Knörzer et al. 1999, Teil 3]



Inkulturnahme

An den altneolithischen Fundplätzen am Niederrhein kamen Einkorn (Triticum monococcum) und Emmer (Zweikorn, Triticum dicoccum) stets nur zusammen vor (der Einkorn aber häufiger) und wurden wohl auch gemeinsam ausgesät. Zusätzlich galt das für ein heimisches Wildgras mit großen Samen, die Roggen-Trespe (Bromus secalinus). Wegen ihrer guten Standortanpassung insbesondere an das relativ weit nördlich gelegene Klima des Rheinlandes war die Trespe bei den ersten Bauern offenbar erwünscht, denn sie macht manchmal ein Drittel aller großkörnigen Grassamen aus. [Knörzer et al. 1999, Teil 2]

Es wird auch angenommen, dass diese Trespenart tatsächlich bereits eine durch permanente Selektion entstandene Kulturform ist, was sich darin äußert, dass die Ährchen mit außergewöhnlich großen Samen nicht abfallen und letztere außerdem ohne Ruhezeit sofort keimen [Hanf 1998].
Die Ausbeute des Trespensamens im Vergleich zu den Getreidesamen ist dennoch extrem niedrig.
Das Mehl soll durch die Roggen-Trespe "grau und bitter" werden [Holzner 1981].

Die Roggentrespe wurde im Altneolithikum zusammen mit Einkorn und Emmer geerntet und wieder ausgesät; nach der mittelneolithischen Rössener Kultur wurde sie jedoch aus dem Getreideanbau verdrängt [Knörzer et al. 1999, Teil 2].

Die einjähige Roggen-Trespe braucht die Überwinterung, um Blüten und Frucht anzusetzen.


Mohn sei in Westeuropa domestiziert worden, denn "Wilder Mohn kommt nur in den Küstengebieten des westlichen Mittelmeerraumes vor" und Mohnsamen tauchen erstmals an den ältesten bäuerlichen Ausgrabungsstätten Westeuropas auf, fehlen aber an den vorderasiatischen Stätten gleichen Alters [Diamond 1998].
Papaver somniferum SSP. setigerum, 'wild poppy' kommt nur in den Küstengebieten des westlichen Mittelmeerbeckens und auf Sizilien und Korsika vor [Zohary/ Hopf 1988].

Nur im Nordwesten Europas war der Borstenmohn (Papaver setigerum) als Vorläufer des Schlafmohns (Pap. sativum) schon so früh kultiviert worden, wohl auch als Heilpflanze. Diese Annahme stützt sich auf einen Massenfund im altneolithischen Brunnen von Erkelenz-Kückhoven. [Knörzer et al. 1999, Teil 2]

Auch im Südwesten Deutschlands nördlich der Alpen sind die Samen des Mohns seit der Zweiten Hälfte des 4. Jt.v.Chr. regelmäßig konserviert worden. Im fortschreitenden 3. Jt.v.Chr. war seine Bedeutung der Fundlage nach aber wieder rückläufig. [Jacomet 2008]


Der Klatschmohn ist eine durchweg faszinierende Pflanze: wegen seiner langgestielten, lang behaarten Knospen, seiner seidenweichen spektakulären Blütenblätter, wegen seines Milchsaftes und wegen seiner feinen Samen. Das wird unsere Vorfahren zum Experimentieren mit einer solche Pflanze angeregt haben.


Es wird offengelassen, ob der Roggen, der seit der Eisenzeit am Niederrhein als Unkraut nachweisbar sei, hierzulande weiter selektiert und domestiziert worden ist. Im mittelalterlichen Rheinland ist er das Hauptgetreide geworden. [Knörzer et al. 1999, Teil 2]
Der Hafer gelangte jedoch erst in seiner domestizierten Form nach Westeuropa, obwohl er hier so leicht verwildert.



Liste der westeuropäischen Pflanzenarten, die zu Nahrungszwecken kultiviert wurden

Eine ganze Reihe Arten der einheimischen Flora ist zu Speisezwecken kultiviert oder domestiziert worden:

Roggen-Trespe (Bromus secalinus)

Schnittlauch (Allium schoenoprasum) [-> Foto]
Löffelkraut (Cochlearia officinalis)
Meerkohl (Crambe maritima)
Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
Sauerampfer (Rumex acetosa)
Alpenampfer (Rumex alpinus)
Schildampfer (Rumex scutatus) [-> Foto]
Mauerpfeffer (Sedum reflexum)
Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus)
Kerbelrübe (Chaerophyllum bulbosum) [-> Foto]

Haselnuss (Corylus avellana)
Wasserkastanie (Trapa natans)

Sanddorn (Hippophae rhamnoides)
Johannisbeeren (Ribes nigrum + rubrum)
Stachelbeere (Ribes uva-crispa) [-> Foto]
Brombeere (Rubus fruticosus)
Himbeere (Rubus idaeus) [-> Foto]
Schwarzer Holunder (Sambucus racemosus) [-> Foto]
Eberesche (Sorbus aucuparia)
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
Preißelbeere (Vaccinium vitis-idaea)

Hopfen (Humulus lupulus) [-> Foto]


Paläophyten:

Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides)
Borstenmohn (Papaver setigerum)
Feldsalat (Valerianella locusta)


außerhalb Europas:

Große Klette (Arctium lappa) [-> Foto]
Möhre (Daucus carota) [-> Foto]

Apfel (Malus sylvestris) [-> Foto]
Süßkirsche (Prunus avium) [-> Foto]
Birne (Pyrus communis [-> Foto])


Hinzu kommt noch eine Vielzahl an Pflanzen, die auf irgendeine Weise zum Würzen und zu medizinischen Zwecken verwendet wurden.



Viehhaltung und die Ressourcen der Vegetation


Für die Anpassungsfähigkeit der verschiedenen Haustierarten ist es wichtig zu wissen, dass das Pferd als Tierart der kaltzeitlichen Steppen gilt, Auerochse und Wildschwein aber als Tierarten wärmezeitlicher Wälder [Frey/ Lösch 1998].


Hermann Parzinger beschreibt das Europa des Spät-Mesolithikums und des Neolithikums als eine von Viehzüchtern geprägte Landschaft [Parzinger 2014].
Natürlich kann eine nach Rodungen entstehende halbnatürliche Vegetation als Weideland genutzt werden, aber es gab in Mitteleuropa noch keine großflächigen Rodungen!


Aus der Eisenzeit Norddeutschlands sind besondere Hausformen ausgegraben worden, die auch das Vieh beherbergten [Herrman 1985].
Diese 'Wohnstallhäuser' glichen den Langhäusern des rheinischen Altneolithikums. Die letzteren dienten aber eher zusätzlich als Vorratsspeicher und nicht gleichzeitig der Aufstallung von Haustieren. Im Boden seien keine Phosphate aus Tierausscheidungen gefunden worden. [Wikipedia 2022]

Sicher bestanden sowohl eine Notwendigkeit zur Einpferchung als auch der Fütterung schon der Herden neolithischer Tierhalter.
Hier kann argumentiert werden, dass Mitteleuropa so dicht bewaldet war, dass es keine Weiden für sie gab. Andererseits sind Rind und Schwein eigentlich an das Leben in Wäldern angepasst. Der dichte Kronenwuchs der wärmezeitlichen Ulmen- und Lindenwälder soll zwar keine konkurrierenden Gehölze aufkommen gelassen haben, wegen größerer Baumabstände aber ausreichend Bodenwuchs für weidende Tiere [Wikipedia 2022].


Von elementarer Bedeutung ist die Beobachtung der Archäobotanik, dass in der Steinzeit nicht Gras und Heu, sondern frisches und getrocknetes Laub die Zufütterung für die Tiere, auch für Schweine bildete. Gras sei im Rheinland "erst seit der Eisenzeit" verfüttert worden. "Vorher gab es noch kein Grünland." [Knörzer et al. 1999, S.131]
Laubäste wurden wohl nur als Winterfutter geschnitten und eingelagert.


Wichtigste Futterquelle war mutmaßlich das Laub der Esche.
Auch das Laub der Eberesche (Sorbus aucuparia) liefert gutes Futter, selbst für Milchvieh.
Die Ulme war nach der Esche die zweitwichtigste Futterquelle; das Laub der Feldulme eignet sich ebenfalls für Milchvieh.
Auch der Feldahorn sei "niederwaldartig zur Produktion von Viehfutter bewirtschaftet" worden.
Unter den Weidenarten scheint hauptsächlich das Laubfutter der Salweide (Salix caprea) nützlich zu sein, auch für Milchvieh.


Auch Efeu wurde einst getrocknet als Viehfutter verwendet und selbst die Mistel (Viscum album album) war ein geschätztes Winterfutter.
Sogar die mit teilweise extrem großen Blattdornen versehene Stechpalme (Ilex aquifolium) soll dennoch Schafen als gerne angenommenes Laubfutter gedient haben.

Das gerbstoffreiche Laub der Eichen wird allerdings vom Vieh verschmäht.
Auch das Laub der Hainbuche scheint sich als Viehfutter nicht zu eignen.


Ein Eschenmaximum im Pollenprofil des Ulmener Maares nach 5000 v.Chr. wird mit intensiver Laubheugewinnung in Verbindung gebracht [Sirocko 2009, Kap.19].

Eschen-Laubäste wurden geschnitten (beachte: mit den Steinklingen der Steinzeit!) und mit dem getrockneten Laub zur Winterfütterung aufbewahrt. Wegen ihres guten Ausschlagsvermögens und einer Notblüte mit Pollenbildung profitiert die Esche von dieser Praxis, während die Verbreitung der Ulmen dadurch zurückgeht. [ vgl. Rheinland-Flora 2010 ]
Dieser sog. 'Ulmenfall' wird in Süddeutschland auf 4400 v.Chr., in Norddeutschland erst auf 4000 v.Chr. datiert. [Sirocko 2009, Kap.19]



Seit 3900 v.Chr. dominieren in Westdeutschland Überreste des wesentlich kleineren Hausrindes anstatt des wilden Auerochsen [Sirocko 2009, Kap.20].

Eine Zeit der Viehzüchter waren besonders das Endneolithikum mit den Rheinischen Becherkulturen (2800 - 2200 v.Chr.) und ebenso die Becherkultur der Frühbronzezeit (2200 - 1900 v.Chr.) [Knörzer et al. 1999, Teil 1].

Es bestand eine offene Parklandschaft mit Eichen und viel Strauchwerk; es entwickelte sich ein neues Maximum an Hasel-Pollen bei Rückgang der Nichtbaumpollen. Dieser Befund lasse auf "große Herden freilaufenden Viehs" schließen. [Knörzer et al. 1999, Teil 1]
Doch auch der Klimagang seit dem mittleren Subboreal mit größerer Wärme und Trockenheit mag dabei eine Rolle gespielt haben.

Durch Beweidung wird erfahrungsgemäß eine Förderung der verbissfesten Dornsträucher Schlehe und Weißdorn und natürlich der offenen Grasvegetation eingeleitet [ Rheinland-Flora 2008 ].


Man muss im westlichen Mitteleuropa "der Frage nachgehen, ab wann es grünlandartige Flächen gab und wie diese genutzt wurden" [Jacomet 2008].

Das Vorhandensein von Grünland soll mit dem Nachweis von Grünlandtaxa bewiesen sein, die im westlichen Alpenvorland im 3. Jt.v.Chr. stark zunahmen: Klee (Trifolium spec.), Grasblättrige Sternmiere (Stellaria graminea), Gewöhnliches Hornkraut (Cerastium fontanum), Frauenmantel (Alchemilla vulgaris - Typ).

Seit der Schnurkeramik-Zeit und in der Glockenbecher-Periode, also seit dem Ende des 3. Jt.v.Chr. sind dort auch verkohlte Wiesengräser nachgewiesen, die demnach wahrscheinlich als Heu gewonnen worden waren: Lieschgras (Phleum pratense), Schwingel (Festuca) und Lolch (Lolium). [Jacomet 2008]



Holznutzung

[nach: Knörzer et al. 1999, Teil 3]


Die immense Bedeutung von Holz zur Erzeugung von Wärme geht aus der Lebensfeindlichkeit selbst der heutigen subarktischen Regionen hervor. Gegen eine Überwinterung steinzeitlicher Kulturen spricht der Holzmangel dieser Regionen bis auf die Zwergformen der Gattungen Birke und Weide.

Das Holz der baumförmigen Birken [ Rheinland-Flora 2010 ] ist auch in ungetrocknetem Zustand als Brennholz verwendbar.

Weiden liefern schlechtes Brennholz; auch Pappelholz hat nur geringe Brennkraft.


Die Kiefer (Pinus sylvestris) liefert hingegen gutes Brennholz, aber wegen seines Harzgehaltes mit starker Rauch- und Rußbildung.

Auch Eichenholz hat zwar einen hohen Heizwert, erzeugt aber ebenfalls einen unverträglichen Rauch.


Die Esche dringt weit in den Norden vor und ihr Holz brennt mit langanhaltender Glut.

Besonders gutes Brennholz liefert auch die Feldulme, das sogar frisch verwendet werden kann.


Der häufig aus dem rheinischen Neolithikum nachweisbare Pomoideae-Holztyp (Crataegus, Malus, Pyrus, Sorbus) eignet sich ebenfalls gut als Brennstoff; dasselbe gilt für die Schlehe, auch Schwarzdorn genannt (Prunus spinosa). Das Holz dieses Gestrüpps scheint in späteren Zeiten "ein gefragtes Brennmaterial zum Brotbacken" gewesen zu sein.

Auch die Vogelkirsche (Pr. avium) liefert gutes Brennholz; das Holz der Traubenkirsche (Pr. padus) eignet sich dagegen nur schlecht zur Wärmegewinnung.



Unter den Pappeln besitzt die Schwarzpappel (Populus nigra) das beste Holz; es ist geeignet für das Schnitzen einfacher Gegenstände wie Holzschuhe, Schaufeln und Behälter.

Schneiteln und auf den Stock setzen machen der Esche nichts aus oder verjüngen sie sogar [Knörzer et al. 1999, Teil 3].
Sie war nicht nur die wichtigste Futterquelle, sondern sorgte auch für hochwertiges Brennholz.
Das biegsame und tragfähige Holz war auch gefragt als Werkholz für Speere, Lanzenschäfte, Werkzeugstiele.
Da leichtes Koniferenholz im Klima der jüngeren Steinzeit fehlte, war die sich rasch regenerierende Esche vielleicht auch die am einfachsten zugängliche Quelle für Bauholz.

Besonders gut für Axtstiele eignet sich das harte und zähe Holz des Feldahorns.

Die Eibe wächst sehr langsam und wird sehr alt. Das schwere und harte Holz der Eibe ist dennoch elastisch und war ein geschätzter Ausgangsstoff für archaische Waffen wie die Lanzen der Frühmenschen (Neandertaler), Pfeile und Bögen.

Auch das Holz des Roten Hartriegels (Cornus sanguinea) "gilt als hornhart". Es ist mit dem Holz der Kornelkirsche (Cornus mas) vergleichbar; schon in der grechischen Antike wurden Lanzenschäfte aus diesem angefertigt.


Haselruten wurden im Mittelaler für Flechtwände und Fassreifen verwendet. Auch im Alt- und Mittelneolithikum wurden schon Flechtwände aus Haselruten hergestellt.

Aus Hasel- und Weidenruten wird auch das Geflecht für Lehmfachwerk angefertigt. Diese Technik ist nicht im Mittelalter erfunden worden, sondern wurde bereits im Altneolithikum für die Seitenwände der Langhäuser eingesetzt [Wikipedia 2022].


Das beste Bauholz für das Langhaus und in späteren Zeiten lieferten die sich ausbreitenden Eichen, Ulmen und Eschen.


Für die Fasergewinnung war der Bast der wärmezeitlichen Linden am besten geeignet. Doch eignet sich das weiche Holz der Linden nicht für Baukonstruktionen und wird wegen seines Eiweißgehaltes von Holzwürmern befallen. Es hat außerdem einen nur geringen Heizwert. Lindenholz wurde auch im Neolithikum kaum verwendet.


Scheinbar hat jede Klimaepoche und jede Kultur bestimmte Gehölz-Arten zur Grundlage gehabt. In den nachsteinzeitlichen Jahrhunderten gewann der Holzreichtum nördlicher Regionen zusätzliche Bedeutung als Energiequelle (Holzkohle) für industrielle Prozesse.



Spezialwissen

[nach: Knörzer et al. 1999, Teil 3]


Es ist natürlich gar nicht sicher, dass gewöhnliche Menschen in der Frühzeit überhaupt über genug Spezialwissen zu den einzelnen Pflanzen und Pflanzenteilen verfügten.
Dieses Wissen kann auch irgendwann einmal existiert haben, doch über Epochen vorher oder nachher gefehlt haben.


Der steinzeitliche Mensch musste ja sogar besondere Kenntnisse über die Gesteinsarten besitzen, um aus ihnen Feuer zu schlagen oder Klingen herzustellen.

Besonders die Jäger unter den Naturvölkern entwickeln ein großes, auch individuelles Spezialwissen.
'viscum' bedeutet Köder, Vogelleim, der seit alters her aus den schleimigen Früchten von Viscum album, der Mistel gewonnen wurde.
Auch aus der Rinde der Stechpalme wurde Vogelleim hergestellt.



Rinden

Das kohlenhydratreiche Gewebe unter der Außenrinde der Birke wurde in Notzeiten getrocknet und zu Mehl verarbeitet. Ebenso ist man mit Pappeln verfahren.


Rindenharze wurden schon im Paläolithikum gewonnen und durch Erhitzung zu Kleb- und Werkstoffen verarbeitet.


Fasern für Seile und Matten konnten aus dem Bast von Linde und Feldulme gewonnen werden. Baststreifen können auch ohne Verarbeitung zu Matten geflochten werden.
Aus dem Bast der Schwarzpappel wurden Fischernetze hergestellt.

Der botanische Gattungs-Name der Linden (Tilia) leitet sich von griech. 'tilós' = Faser ab, die aus dem Rindenbast gewonnen wird. "Ein Lindenstamm von 35 cm liefert etwa 45 kg Bast." [Knörzer et al. 1999, Teil 3]

Lindenbast wurde auch in späteren Zeiten noch zu Matten, Säcken, Körben, Schuhen und Stricken verarbeitet.
Auch Linden sind ausschlagfähig und könnten vielleicht zur Bastgewinnung auch kultiviert worden sein.


Eine interessante Frage wäre, in welchem Maße die Gerberei in der Steinzeit perfektioniert war. Dass die Weiterverarbeitung von Tierhäuten eine elementare Technologie ist, zeigt schon die große Vielfalt an Methoden, die noch von den modernen Naturvölkern angewendet werden.

Gerberrinden lieferten besonders die Eiche, die Erle (schwarzfärbend) und auch die Eberesche. In kälteren Epochen stand die innere Rinde der Birken und die Rinde der Weißweide zur Verfügung. [Knörzer et al. 1999, Teil 3]
Von den Eskimo wurde beispielsweise auch die Wurzelrinde von Koniferen verwendet [Hirschberg/ Janata 1966].


Die Verarbeitung von Tierhäuten erfolgt in drei Schritten [Hirschberg/ Janata 1966].
Um den Pelz zu erhalten, erfolgt die Verarbeitung nur einseitig.

1. Reinigung durch Entfernen fäulnisanfälliger Hautteile mit scharfkantigen Werkzeugen
Sicher haben dazu schon viele Steinwerkzeuge der Paläolithiker gedient. Oftmals folgt die mechanische Reinigung der Felle erst nach Förderung der Zersetzung (gegebenenfalls auch der Haare auf der Außenseite) beispielsweise durch Wärmeexposition, Eingraben oder Einlegen in Urin.

2. Die gereinigten Tierhäute können mit verschiedenen Mitteln fäulnisresistent und weich gemacht werden:
- durch Einarbeiten tierischer Fette aller Art
- durch die Einwirkung pflanzlicher, häufig in Baumrinden enthaltener Gerbstoffe
- durch Alaun, kalkhaltige Erde u.a.
- oder durch Kombination dieser Mittel

3. Zurichten, insbesondere Glätten durch mechanische Bearbeitung und Dehnen


Eine primitive Nutzung pflanzlicher Rindengerbstoffe bestand laut Wikipedia z.B. darin, Tierhäute und zerkleinerte Rinde in Erdgruben einzuschichten und für lange Zeit mit Wasser zu bedecken.

Eine indianische Nachbehandlung war das Räuchern über stark qualmendem Feuer, um das Leder besonders wasserfest zu machen [Hirschberg/ Janata 1966].



Medizin

Weidenrinde ist eines der ältesten bekannten Heilmittel; sie wirkt adstringierend, keimtötend, fiebersenkend, sowie gegen Gicht und Rheuma.

Auch dem Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) wurden Heilkräfte nachgesagt: die Blüten wirken schweißtreibend, entkrampfend und schmerzlindernd; Wurzel, Rinde und Blätter sind stark harntreibend.


Kiefernknospen wurden seit Dioskurides bei Erkrankungen der Atemwege angewendet.
Das Baumharz der Vogelkirsche wurde Katzengold genannt und gegen Husten in Wein aufgelöst.


Die adstringierenden Holzäpfel des wilden Apfelbaums sind als Tee fiebersenkend, in frischem Zustand aber wundheilend.

Der Beerenmus der extrem sauren und adstringierenden Schlehe (Prunus spinosa) wurde als Stärkungsmittel nach schweren Krankheiten und "bei Durchfall und Erbrechen" gegeben.


Auch diese Kenntnisse sind natürlich nicht direkt aus der Steinzeit überliefert, sondern stammen eher aus dem Mittelalter.



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